Berufsanfänger - Diese Kenntnisse wollen Arbeitgeber

Welche Kenntnisse und Eigenschaften vermissen Sie bei den heutigen Berufsanfängern?

Früher war alles besser - auch die Ausbildung der Berufseinsteiger?

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"Sie sind flexibel, kommunikativ, kreativ, durchsetzungsfähig, teamfähig und hoch motiviert? Dann bewerben Sie sich bei uns!" Solche oder ähnliche Texte sind in Stellenanzeigen heute nichts Ungewöhnliches, wenn Unternehmen Nachwuchsführungskräfte suchen. Eine notwendigerweise schnelle Anpassung an unterschiedliche Situationen im Umgang mit Kunden und Kollegen, eine effiziente Arbeit in wechselnden Teams und eine zunehmende Internationalisierung sind einige der Motive von Unternehmen, heute sehr stark auf die weichen Faktoren und sozialen Kompetenzen ihrer Mitarbeiter zu setzen. Die Unternehmen suchen sozial kompetente und zugleich junge Hochschulabsolventen. Von den Führungskräften von morgen wird erwartet, sich in kurzer Zeit und in jungen Jahren bereits Fähigkeiten anzueignen, die sich normalerweise im (Berufs-) leben erst allmählich durch unterschiedliche Erfahrungen herausbilden und entwickeln. Auf die veränderten Anforderungen und Bedürfnisse der Unternehmen müssen Hochschulen reagieren, wenn sie auch in Zukunft arbeitsfähige Absolventen ausbilden wollen. Wenn Unternehmen die Anforderungen an die sozialen Kompetenzen zum Teil sogar über die Erwartungen an das Fachwissen ihrer Mitarbeiter stellen, weil dieses rasch veraltet, dann ist die Persönlichkeitsschulung mehr und mehr eine wichtige Aufgabe von Bildungsinstitutionen. Ohne gezielte Unterstützung ist es dem Nachwuchs, der jung in den Beruf einsteigen und schnell studieren soll, kaum möglich, alle Anforderungen zu erfüllen. Soziale Kompetenzen werden bei Berufsanfängern heute häufig vermisst. An der Europäischen Fachhochschule (EUFH) in Brühl beispielsweise, die duale Wirtschaftsstudiengänge anbietet, ist das Training sozialer Kompetenzen deshalb seit Jahren ein fester Bestandteil des Studiums vom ersten bis zum letzten Semester.

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Als Personalberatung haben wir häufig Kontakt zu Berufsanfängern, entweder über die Ausschreibung von Junior-Positionen in Beratungsunternehmen, für Traineeprogramme von Unternehmen oder über die Karriereberatung von Hochschulabsolventen unterschiedlichster Fachrichtung, die einen gezielten Einstieg suchen. Grundsätzlich unterscheiden wir in der Personalauswahl zwischen drei wesentlichen Qualifikationsbereichen: Neben der fachlichen und persönlichen Qualifikation ist die Umfeldqualifikation entscheidend. Bei den Berufsanfängern ist die fachliche Qualifikationen meistens vorhanden, insbesondere auch Sprachkenntnisse aus Auslandspraktika. Wenig vorhanden ist die Performanz, d.h. das theoretische Wissen, die Kompetenz, handlungsorientiert und pragmatisch in die Praxis umzusetzen. Es bedarf stärker einer Risikofreude und Schnelligkeit, Dinge umzusetzen, auch ohne langatmige theoretische Vorbereitung. Hilfreich ist sicherlich eine hohe Analysefähigkeit und die Gabe Strukturen zu schaffen. Von den persönlichen Eigenschaften vermissen wir häufig eine 100 prozentige Einsatzbereitschaft und Neugierde. Wobei sich die Frage stellt: Wenn ich nicht am Anfang "Vollgas" gebe, wann dann? Es werden gerade in den ersten 100 Tagen zu wenig Fragen von den Berufsanfängern gestellt. Auf der anderen Seite gibt es viele Einsteiger, die ihre eigenen Erfahrungen und Fähigkeiten überschätzen. Sie glauben, wenn Sie im Rahmen eines Praktikums eine Aufgabenstellung einmal bewältigt haben, diese bereits genau zu kennen. Des Weiteren fehlt Einsteigern in der Beratungsbranche der Dienstleistungsgedanke. Im Bereich der Umfeldqualifikation ist es wichtig für einen Berufseinsteiger, gerade am Anfang, genau zu beobachten und mit Fingerspitzengefühl die betriebliche Situation zu analysieren. Wir beobachten das Berufsanfänger häufig in die sogenannten "Fettnäpfchen" treten und zu einem eher arroganten Verhalten neigen. Als Youngster sollte ich mich beim Einstieg den Geflogenheiten meines Unternehmens zunächst anpassen, egal ob dies die Kleiderordnung, die Firmensprache oder gemeinsame Aktivitäten betrifft. Abgesehen von den Defiziten bringen die Berufsanfänger aber auch viel Elan, neue Ideen, Motivation und Lernbereitschaft mit.

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Für den fachlichen bzw. theoretischen Teil kann es hier keine allgemeingültige Antwort geben, da die verschiedenen (Hoch-)Schulen und Ausbildungsstätten unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Im Regelfall sind Hochschulabsolventen fachlich ausreichend qualifiziert, insbesondere da im Regelfall das an der Uni vermittelte allgemeine Wissen im Job nur zu einem fachspezifischen Bruchteil genutzt wird und hier die eigene Lernfähigkeit und der 'gesunde Menschenverstand' gefragt ist. Viel wichtiger (und leider nicht immer so ausgeprägt) sind meiner Meinung nach die 'weichen Qualifikationen'. Dazu gehören für mich neben der vielgenannten Teamfähigkeit insbesondere folgende Merkmale: Präsentations-/Kommunikationsfähigkeit, Multikulturelle Erfahrungen, Demut, tiefe Praxiserfahrungen auch im nichtakademischen Bereich. Aus den obigen Merkmalen sticht das Wort Demut nicht grundlos heraus. Alle anderen Fähigkeiten sind vielgenannte Faktoren für den Erfolg und werden z.T. bereits erfolgreich an den Unis trainiert. Jedoch sind häufig von den Medien überzeichnete Zielvorstellungen in Bezug auf Gehalt, Verantwortung und Bedeutung des Berufsanfängers Grund für Mißstimmung und Enttäuschung. Diese 'von der Uni auf den Chefsessel'-Mentalität ist, gerade in Anbetracht der aktuellen wirtschaftlichen Lage, nicht realistisch - und auch nicht immer erstrebenswert. Aus meiner Erfahrung ist Berufserfahrung durch nichts zu ersetzen. Setzen Sie sich Ziele - aber realistisch! Hören Sie auf langjährige Spezialisten in Ihrem neuen Fachbereich - der Alltag hält manch unangenehme Überraschung für Sie bereit, auf die Sie die Uni nicht vorbereiten kann! Haben Sie Geduld!

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